Berichte und Links

 

Bericht in der Süddeutschen Zeitung (von Sarah Kanning), 23. Februar 2015

Der Naturflüsterer – Pädagogischer Bauernhof in Elmatried


Studie „Soziale Landwirtschaft in Bayern“

An dieser Studie im Auftrag des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (StMELF) hat der Hummelhof teilgenommen und ist darin als „Better Practice Betrieb“ aufgeführt.

Seite zur Sozialen Landwirtschaft in Bayern

Zusammenfassung der Studie „Soziale Landwirtschaft in Bayern“ (pdf)


Ein Beitrag zu den Hofführungen an jedem 1. Samstag im Monat (von Ina Schicker)

Hummelhof, Elmatried – ein reales Ideal


Englischsprachiger Blog

Berichte und Fotos von Studenten des RCC Environmental Studies Certificate Program über einen Besuch im Sommer 2016 am Hummelhof, der im Rahmen eines Workshops mit Jochen Koller (Direktor des Forschungsinstituts für Permakultur und Transition (FIPT)) stattfand.

Permaculture and the Hummelhof – A Philosophy for Life? (Stefan Bitsch)

A Winter Home for Bats (Luna Benítez Requena)

Let’s Save the World by Gardening! (Marlen Elders)


Ein Zeitungsbericht vom 16. August 2014 in der Allgäuer Zeitung (von Edith Rayner), verknüpft mit einem Gesprächsprotokoll aus verschiedenen Hofführungen

Der die Hummeln anlockt…

HUMMELHOF: Hofführungen auf dem Öko-Hof in Elmatried. Es gibt sogar Beet-Patenschaften für HobbygärtnerInnen

DSC00787Tausende von Bienen begrüßen die Besucher des Hummelhofs in Elmatried. Der angenehm anschwellende Summton kommt von den hölzernen Bienenkästen, die hoch über dem Weg links an der Scheune auf gestalteten Eschenbalkons stehen. Darunter sind dicke Hartholzbohlen angebracht mit tausenden von Löchern  verschiedener Durchmesser. „Hier wohnen die Wildbienen, die in den Röhrchen für ihre Nachkommen sorgen, auch die Hummeln wohnen hier in der Steinmauer rechts. Die lieben die Farbe Blau“, erzählt Bernhard Hummel und zeigt mir die vielen Insekten, die ein- und ausfliegen.  „Die müssen immer an der Südseite einen Platz bekommen, weil sie  sehr wärmeliebend sind und erfreuen sich an den unzähligen Blüten hier auf dem Hof“, erzählt er mir.

Vor 25 Jahren konnte der aus dem Schwarzwald stammende Naturpädagoge und Landwirtschaftsmeister zusammen mit seiner Frau Andrea diese heruntergekommene Hofstelle von der Stadt Kempten erwerben. Doch zuvor ließ sich  Bernhard Hummel ein ganzes Jahr Zeit um die Sonnen-, Wasser- und Klimaverhältnisse täglich vor Ort zu studieren. Es war ein ehemaliger Ponyhof, völlig verdreckt und für seine Großfamilie mit acht Kindern nahezu unbewohnbar. Da hieß es erst mal mehrere tausend DM in die Instandsetzung zu investieren. Schon von Anfang an gab es viele Freunde und vor allem Kollegen  aus der damaligen Freien Waldorfschule Kempten, die ihn tatkräftig unterstützt haben. „Ohne die vielen Menschen hätten wir das nie geschafft, sogar die gesamte Tenne haben sie mühevoll enstaubt“, berichtet Bernhard Hummel anerkennend. Fünf Hektar Land konnten daraufhin von dem gemeinnützigen Verein Land und Gartenbau Elmatried e. V., den er mitgegründet hat, angekauft werden, wie auch die  weiteren 12 ha, die nach einiger Zeit von einer extra dafür von ihm ins Leben gerufenen GbR mit 100 Gesellschaftern übernommen werden konnten. Es waren überwiegend  übliche Güllewiesen mit großen  Ampferbeständen, eben nach gängiger Praxis von Milchbauern jahrzehntelang bewirtschaftet. Man nennt das dann von Amts wegen: „Gute landwirtschaftliche Praxis!“

Zu wenig Vielfalt befand Bernhard Hummel und begann damit einen Tierbestand besonderer Art aufzubauen. „Der Boden ist das größte Kapital einer Landwirtschaft, der bedarf grundsätzlich der ersten Pflege, da darf man dann nur mit Kompost düngen, um ihn zu verlebendigen“, ist er überzeugt. Und tatsächlich – die Wiesen geben ihm recht! Über 120 Gräser- und Kräuterarten hat ein Biologe bei einer Kartierung festgestellt. „Das hat lange gedauert bis die üble Brühe rausgeschwitzt war.“ In seiner Tenne duftet das Futter unvergleichlich! „Das ist den Heilpflanzen-Präparaten zu verdanken, die von Rudolf Steiner 1924 entwickelt wurden und die von mir konsequent hergestellt und eingesetzt werden. Darüber habe  ich gerade ein Buch verfasst, die sind nämlich für alle erdverantwortliche Landwirte mit ihren Höfen gut, denn es gibt nur eine Erde“,  und führt weiter aus, dass jeder Bauer sich schlußendlich nach den biologischen Gegebenheiten richten müsse, ob er nun Gift spritze oder nicht. „Es hat noch keiner im Winter hier gemäht und die Fehlentwicklungen werden selbstverständlich ihre Konsequenzen zeitigen, wenn ich allein an die voranschreitende Grundwasservergiftungen und hochgiftigen Keime, wie z.B. Botulinum in den Äckern denke oder an MRSA-Keime, denen wir überhaupt nichts mehr entgegenzusetzen haben, die sich rasant ausbreiten und jetzt bereits über 10000 Todesopfer jährlich allein in Deutschland fordern.  Das rächt sich also alles, die Natur läßt sich auf Dauer so nicht behandeln.“

Nun sind wir im großen Garten, von denen es sieben verschiedene im Hofbereich gibt, auf  einer Hochebene angekommen. Buchstäblich ein Paradies: auf ungefähr 5000 qm wechseln sich unzählige Blüten  mit satten Gemüsebeeten ab, Streuobst, Hecken, Beeren können das Auge kaum fassen. Von der Anhöhe sieht man einen Teil der über 1000 m langen dreireihigen Hecken mit Bäumen, Birkenhaine mit über 600 Hainbuchen, Ahorn, Eichen, Eschen, Wildäpfel und -birnen. Auch einen zehnjährigen Laubwald am nördlichen Horizont fällt in den Blick. „Jede einzelne dieser Pflanzen ist durch meine Hände gegangen, wurden von Jugendlichen aus der Freien Schule Albris im Unterricht 2003 mit mir gepflanzt,“ sagt Bernhard Hummel  und  erzählt gleich noch eine spannende Geschichte dazu, „alle erinnern sich wohl an dieses extrem trockene Jahr. Wir mussten nach der Pflanzung jeden einzelnen der 4000 Bäume öfter gießen und verwendeten dazu einen Absud von Capsella bursa pastoris, dem Hirtentäschelkraut, das homöopathisch verdünnt im Gießwasser  seine Trockenheitsresistenz an die Pflanzen weitergeben kann. Viele Neuanpflanzungen sind damals der Trockenheit zum Opfer gefallen, wir verloren nur 53 Bäume, die heutigen lauschigen Lichtungen.

Im Garten übrigens heißt bei den Hummels Unkraut „Beikraut“. Größere Bereiche sind da abgemulcht und in den fast schwarzen Boden kann er bis zu den Handgelenken hineingreifen. „Weder der Markt noch irgendwelche Kunden bestimmen den Anbau sondern einzig und allein der Boden, dann wächst eigentlich alles auf den Beeten“, und das zeigt er uns durch die  Wildkräuter an, die noch dazu den Kulturpflanzen eine Fülle von Aromen und Geschmack mitgeben, und die interessanterweise jährlich wechseln, weiß dieser Gärtner zu berichten. Ich kann gar nicht recht fassen, was ich in dieser einen Stunde an land-, forst- und gartenbaulichen Zusammenhängen erfahren durfte.

Auf einer Anhöhe ruhen einige Rinder. Es sind das ganz leichte Hinterwälder, die keinen Schaden an der Grasnarbe anrichten. Die heutigen Kuhrassen sind viel zu schwer bei Niederschlägen von 1300 mm im Jahr. Ein Bulle muß immer dabei sein, der die Herde zusammenhält. Künstliche Besamung lehnt Bernhard Hummel strikt ab. Er sagt, dass die Lebenskräfte der Tiere dadurch immer mehr zurückgingen, schließlich sei das Durchschnittsalter einer deutschen Kuh inzwischen bei 4,8 Jahren angekommen, natürlich auch wegen des dadurch erlangten verkürzten Zuchtfortschritts hin zu mehr Milch und mehr Fleisch. Herr Hummel versteht es seine Zuhörerin durch seine unglaubliche Kenntnis der Zusammenhänge in einer Landwirtschaft zu fesseln, ein wandelndes Naturlexikon erlebe ich an ihm. „Wer Obst auf solcher Höhe anbauen will, muss auch etwas für die Fledermäuse tun, denn diese nachtaktiven Tiere ernähren sich überwiegend von Nachtfaltern, deren Maden sich wiederum im Obst einnisten“, lerne ich von ihm, und er deutet auf den Rohbau eines Winterquartiers für die Nachtsegler, das  als frostfreier Tunnel in unmittelbarer Nähe der 50 Jungobstbäume liegt. So beenden wir diesen lehrreichen Spaziergang nach fast drei Stunden und ruhen uns unter der schattenspendenden Weidenlaube beim  Schlangenteich aus. Er begleitet mich zum Ausgang, nicht ohne mir noch den künstlerischen Kuhstall aus Lehm und Eschenholz zu zeigen. Ich war gewiss nicht das letzte Mal da.


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