Gedichte

Ein traurig Lied von der Deutschen Ackerkunst

Deutschland, stinkend Ackerland
Dich füllen wir, es ist bekannt,
Mit Rindergülle von der Kuh,
Viel Schweinemist kommt noch dazu.
Das nennen wir dann Acker-Kunst,
Obwohl wir steh’n im Gülle-Dunst.
Und wenn der Mais gekommen ist,
Was kriegt der oben drauf?
Viel Glyphosat, als Sonder-Mist
Und and’re Gifte auch.
Die Schweinehälften schlank und rot,
Für ein Milliarden-Geld
Verschicken wir containerweis
Gleich um die ganze Welt.
Uns bleibt in uns’erm kleinen Land
Milliardenschwer die Gülle bloß.
Wo bleibt da der Verstand?
Wenn Glyphosat und Botulin
Im Acker liegen fest,
Dann werden die Minister flieh’n
Und danach auch der Rest.
Dann spüren wir, wie arm wir sind,
Im zugeschiss’nen Land,
Dann gibt es keine Äcker mehr:
Nur Wüsten und nur Sand!
Da sprudeln keine Quellen mehr;
Kein Mensch labt sich, kein Tier,
Höchstens, stellt man Nitrate her,
Die bleiben dann auch hier
Die Acker-Kunst, die hat’s geschafft:
Wißt Ihr nun, was das ist?
Hat alles schließlich weggerafft:
Sie ist der größte Mist

Bernhard Hummel
10. Februar 2017

 


Die Brieflein-Klasse

Offener Brief an eine 7. Klasse, die schreibsüchtigst während des (wahrscheinlich langweiligen Unterrichts?! ) sich gegenseitig Mitteilungen verfasste und diese als Briefkügelchen quer durch das Klassenzimmer schnippte.Da Ermahnungen nichts halfen schrieb ich einfach demonstrativ auch ein Brieflein und las dieses sogleich inflagranti zum Erstaunen  und riesiger Freude aller  vor.
Ich möchte Ihnen diese pädagogische Sternstunde nicht vorenthalten.
Viel Vergnügen!

Ein Mensch,
erlegen erster Qual, muss Brieflein schreiben sonder Zahl,
suchtet auch noch an zweiter Qual:“Was schreib ich nur, verdammt noch mal?“
Im Klassenzimmer ist der Ort: „Was für’ne Botschaft schick ich fort?“
Grübel, Grübel: „Ach ich hab’s!“, und schreibt:“Wie geht es deinem Schatz,
schreip mir zurück, aber gans schnell, sind seine Haare lang und hell?“
Zurück die Antwort: „Du bis dooof, tref in der Bause ihn im Hov,
waist du, err tregt jetzt eine Spahnge, da is mir vor dem Güssen pange!“
So geht es weiter in der Stunde, die Böllchen machen ihre Runde.
Doch dies schnippt einer grade eben, zweimeterfünfzig, knapp daneben
und landet noch – mit Tinte frisch – Volltreffer auf dem Lehrer-Tisch.
Der hebt es auf mit spitzem Finger, kennt zur Genüge diese Dinger.
Der Schnipper erntet Spott und Hohn: „Blödmann, du Depp!“ murmelt es schon.
Doch jetzt eröffnet er den Brief, will schließlich wissen, was da lief,
zumal es fehlt auch die Adresse, der Umstand fördert sein Int’resse.
Schreck! Was er endlich lesen muss, kein orthografischer Genuss:
Da steht: „er ist ser intellenz, sein Daddy färt auch einen Penz“
Und Spange ist mit „h“ geschrieben, vom „Kuss“ ist nur ein „guss“ geblieben,
„doof “ mit drei „o“ und „Hof“ mit „v“, angesichts dessen wird ihm flau.
Er nimmt’s jedoch mit viel Humor, zieht seinen Stundenplan hervor,
trägt ein drei Worte: „Brief-Schreib- Kunde, Mittwochmittag erste Stunde“,
setzt sich gleich hin, schreibt diesen Brief, während das Schnippsen weiterlief,
und unvermittelt liest er’s vor, dies Brieflein, alle sind ganz Ohr.
Scheint’s ein pädagogisch Wort; denn plötzlich sind die Böllchen fort.
Die Schüler sind ganz schön perplex, woll’n wissen: „Wie geht so ein Text?“
„Versucht’s doch selbst, als Hausaufgaben, woll’n schließlich was zum Lachen haben!“
Von der Gshicht noch die Morall: wie, was mann sraipt is nicht hegall!

 Bernhard Hummel


Leben!?

Hier sitze ich und frag mich eben:

„Was reimt sich eigentlich auf LEBEN?“
Nun, erstes les ich schon; s’ist: eben
ergänz es vorn und s‘ heißt: dan-eben.
Daraus schließ ich scharf so-eben,
im Leben sitzt du oft dan-eben
merk eben, es wird böse enden,
falls ich mich ihm nicht anverwende!
Und seh mit Schauer: S’läuft davon.
„He! Wart auf mich, ich komme schon!“
Es aber schwindet hin im Nebel,
sobald sich’s umdreht wird´s zum lebeN!
Ich weiß, ich muß mich ihm ergeben — in höchster Not —
doch ich bleib kleben.!
Hätt viele Fragen noch ans Leben!
Antworten muß ich selbst mir geben!

Bernhard Hummel
März 2015


Drohnen-Uschi

oder
Was aus einem Menschen alles werden kann,
 wenn er nicht mehr wird, sondern nur noch ist!

Es war einmal ein Mädchen, es war so süß und klein,
wuchs friedlich auf im Städtchen, hieß Ursel von der Leyen.

Die Eltern alle beide, die hatten sie so gern
und liebten ihre Kleine und nannten sie ihr „Stern“!

Bald ging sie in die Krippe, spielte dort Seil und Ball,
tat mit dem Stühlchen kippeln; man liebt sie überall.

Doch schon nach kurzen Jahren ist diese Zeit vorbei,
vom Staat muss sie erfahren, wie ernst das Leben sei.

Er stürmt mit mächt’gen Schritten wie überall ins Haus.
Ruft laut und unerbittlich: „Mit Spielen ist’s jetzt aus.“

Schon sitzt sie auf dem Stuhle, lernt bald das Alphabet;
wir nennen’s, „strenge Schule und Bildung und Gebet.“

So wird sie wohlerzogen vom neuen „Vater“ Staat,
der viel ihr vorgelogen und ganz verändert hat.

Er nimmt sie in die Uni, wie fleißig sie studiert,
und hat so manchen Unsinn im Geiste adaptiert.

Denn bald wird sie ihm hörig; die liebe Ursula,
sie ist ja so gelehrig, merkt nicht, was da geschah.

Jetzt darf sie wieder spielen, wird siebenmal Mama
und wird auch gleich Minist’rin für die Familien: „Ja!“

Bekommt so manche Falten, ist längst in der Partei,
verehrt den Kohl, den Alten, und wähnt sich fromm und frei.

Dann wechselt sie die Fronten, – das Ministerium –
Bestimmt jetzt über Drohnen, weiß nichts von dem: „Warum?“

Ganz gleich wohin die Waffen sie lenkt in alle Welt,
scheinheilig für den Frieden geht’s doch um blutig Geld!

Hört nicht die Drohnen dröhnen; wenn sie gedrückt den Knopf,
Hört nicht das Todesröcheln, aus „Feind’s“ zerfetztem Kopf.

Lässt Waffen produzieren und Kriegsschiffe ganz viel,
tut alles exportieren, s`gibt überall ein Ziel.

Da werden Menschenleiber gesprengt aus Fleisch und Blut,
von Deutschland aus gelenkt – für uns der Ami tut.

So wird aus jenem Mädchen, ganz gleich, wie fromm sie ist
durch Vater Staates Rädchen ein Waffen-Lobbyist!

Nachdem die Ärmsten fliehen, das wäre doch nicht dumm,
wechselt halt unsre Ursel ins Flucht-Ministerium.

Lässt viele Drohnen krachen, da kommt ein Geld herein,
verkauft viel schwere Waffen für’s neue Flüchtlingsheim.

Nun ist der Kreis geschlossen „Wir sind humanitär!“
Erst ha’m wir sie beschossen, dann sorgen wir uns sehr.

Sind wir so tumbe Toren, zahlen wir, schauen zu,
haben wir auch das Spiel verloren und’s denken noch dazu?

Wird all das noch gesegnet vom Pfaff und Priesterlein,
ist’s wie von Gott bestätigt, dann muss es wohl so sein!

Traust Dich dann was zu sagen, wird’s ihnen gleich zu viel,
gehen sie Dir an den Kragen und Du wirst dann zum Ziel.

Läuft da in unsren Schulen vielleicht etwas verkehrt,
so dass am End man landet bei:

Christus                 Denkt                 Umgekehrt?

Es lässt sich nicht verhehlen, der Welt-Wahn steckt im Lauf
steckt in den Köpfen, in Gewehren, und im Pistolenknauf.

Erzählt von diesem Drama, ehrlich, den Kinderlein:
Wie’s ging mit jener Mutter, der Ursel von der Ley’n.

Bernhard Hummel
Mai 2015


Was wäre, wenn…

Was wäre, wenn
es keinen Gott mehr gäbe, wenn er sich längst zurückgezogen?
Weil er bei sich gedacht: „Lass doch die Menschlein toben!“
Und weiter, wenn er denkt:
„Mein Sohn, er ist umsonst gestorben, für diese Brut,
hab soviel tausend Jahr umsonst für ihn geworben!“
Was wäre, wenn
er sagen würde: „Natur, führ Du sie ins Verderben und Erde, Du,
lass Du sie ja nichts erben!“
Was wäre, wenn
Natur sogleich erschiene und gäb zu Protokoll:
„Ich sah´s  schon lang, sie treiben es zu toll,
kein Molekül, das nicht vergiftet wäre;
drum teil ich, Gott, die furchtbare Beschwerde!
Gar überall liegt totes Menschgebein
durch Schlachten und durch Kriege.
Nein, Gott, das soll Dein Lohn nicht sein;
also geb heute ich, Natur, Dir hier bekannt:
Mein allumfassend Leichentuch, es ist gespannt.“
Was wäre, wenn
die Erde darauf spräche:
„Mein Gott ich folge Dir und räche,
das, was sie mir entrissen, die armen Menschenknechte.
Sie haben einen andern Gott erkoren,
dienen dem Tand nun treulich, diese Toren!“
Was wäre, wenn
auch Tier und Pflanze kämen und riefen:
„Für Euch tun wir uns schämen, wie Ihr es treibt mit uns,
wir woll´n für Euch es büßen,
wir gehen ein und lassen Euch die Wüsten!“
Was wäre, wenn
die Sonne drauf verginge und spräch:
„Bevor der Schand ich diene, lass ich mein Licht verglimmen,
und fürderhin soll Dunkelheit bestimmen!“
Was wäre, wenn
die Steine Tränen weinten, darob,
und auch beschlössen: Nicht Halt zu geben mehr der Oberwelt;
in Chaos-Gischt vulkanisch sich vereinten
solang bis Ich zu Nicht-Ich sich gesellt:
Was wäre dann…

Bernhard Hummel
Mai 2015


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